Doña Protea Barbara
Die Insel der Glückseligen, wozu auch La Palma gehört, tauchen in der Geschichte ständig auf als ein paradiesischer Ort, wo man kaum arbeiten muss, weil das Essen den Menschen einfach in den Mund fällt. Junger Vulkanboden und das hiesige Klima bieten tatsächlich landwirtschaftliche Vorteile. Aber es gibt auch Nachteile! Wassermangel bzw. viel Arbeit, um das Wasser dort zu haben wo es benötigt wird, Transportkosten und eine sehr steile Insel. Vor 8 Jahren bin ich hier in ,El Pinar' gelandet, eine Ortschaft am Rande der Gemeinde Tijarafe, auf der Westseite der Insel, auf etwa 800 m Höhe. Am Anfang dachte ich, ich sei zu einer ganz einsamen und wilden Stelle gekommen. Brusthohes (Un)Kraut so weit ich sehen konnte, abwechselnd mit Mandelbäumen, Pinien und kanarischen Palmen. Langsam entdeckte ich etwas anderes. Der kaum begangene Pfad zu meinem Platz war einst eine öffentliche Straße, das verlassene Gebäude oberhalb eine kleine Schule, und mein einziger Nachbar ist der Bäcker, der schon sein ganzes Leben lang Holz für seinen Ofen auf dem Rücken über die erwähnte Strasse hinunterschleppt. Ich lebe also eigentlich im Zentrum des ehemaligen Dorfes. Allmählich tauchen einige alte Hütten wieder aus dem vertrockneten Kraut auf, worin ganze Familien gelebt haben. Das war ein hartes Leben mit viel Arbeit und immer weniger Geld, weil die Produkte z.B. Mandeln sonst wo in der Welt durch Mechanisierung billiger Produziert werden konnten. Auf einem solch steilen Gelände wie hier ist das kaum möglich. Als dann die Subventionen für Bananen verteilt wurden, zogen die Leute wegen des besseren Klimas für die Früchte massenhaft an die Küste. Mittlerweile wird auch die Bananenkultur von den üblichen Problemen bedroht und es wird sich nun bemüht, andere Agrarprodukte zu etablieren. Es sieht so aus als würde einem das Essen hier doch nicht in den Mund fliegen. La Palma hat viel verschiedene Mikroklima. Das Gebirge versperrt den vom Nordostpassat mitgeführten Wolken den Weg, wodurch die Westseite viel trockener als die Ostseite ist. Von der Küste bis auf 2500 Meter Höhe wandelt sich das Klima immer mehr zum Landklima, mit immer größeren Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht und zwischen Sommer und Winter. Dabei gilt, trotz wesentlicher Trockenheit, dass es höher auf den Bergen mehr Feuchtigkeit gibt als an der Küste. Der Grund warum die Menschen früher hier oben gelebt haben; an der Küste gab es vor der Bananenkultur fast kein Wasser. In den letzten acht Jahren hat sich in El Pinar viel geändert. Viel mehr als agrarische Aktivitäten, hat sich der Tourismus weiterentwickelt und viele von den damaligen Hütten sind heutzutage schöne Ferienhäuser. Auch gibt es immer mehr Einwohner die ständig hier Leben, obwohl ihre ökonomischen Aktivitäten sonst wo stattfinden. Folge dieser Entwicklung ist, dass sich der Wiederaufbau meistens auf die Immobilien bezogen hat und nicht auf die dazu gehörenden Grundstücke. Bis jetzt ist eine wunderschöne Landschaft daraus hervorgegangen, aber man kann auch sehen, dass allmählich die alten Terrassenmauern zerfallen, was bei der Steilheit und Trockenheit schnell zu großer Erosion führen wird. Das wird dann graue Kieshänge hervorbringen und kein blühendes Kulturland. Jedenfalls wird eine stark erodiert Landschaft auch dem Tourismus nicht dienlich sein. Es freut mich, dass auch neue Pflanzen, die in diesem Klima gut wachsen, helfen die Kultur zu bewahren. Proteas kommen aus Südafrika und es gib viele unterschiedliche Arten, besonders auch viele, die große Temperaturunterschiede und lange Trockenheit gewohnt sind. Eigentlich kann man die Zucht von Schnittblumen auf den Kanaren für den europäischen Markt nicht besonders ökologisch Verantwortungsbewusst nennen. Trotzdem versuche ich das zu machen und dabei keine Gifte einzusetzen. Ich versuche auch eine vernünftige Mischung mit anderen Pflanzen zu schaffen, damit nicht eine weitere Monokultur entsteht.
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